Vom Lieben, vom Leben und vom Leiden

Bettina Mittendorfer erzählt von „Weibsbildern“ nach Oskar Maria Graf im historischen Hofbräuhaus Traunstein Saal

In sehr liebenswürdiger, ausdrucksstarker aber auch dramatischer Darstellung zeichnete Bettina Mittendorfer am vergangenen Samstag im historischen Saal des Hofbräuhaus Traunstein in szenischen Darstellungen Situationen bayerischer Frauen basierend auf Geschichten von Oskar Maria Graf: Geschichten der Liebe, des Lebens, von Geburt, Schicksal und Tod.

Der bayerische Schriftsteller hat in seinen Erzählungen sehr treffend das Leben und auch die Lebenseinstellung im bäuerlich-bayerischen Alltag zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingefangen. Zentrale Figuren waren dabei immer die Frauen, deren „Selbstverwirklichung“ in harter Arbeit, Mühe, Bescheidenheit und nicht selten im frühen Kindbetttod bestand.

Sie waren es, die den Fortbestand von Hab und Gut sicherten und ihre Aufgaben ohne viel Aufhebens und Sentimentalität erledigten. Schicksal, das war Gott gewollt, und die Kunst dieser starken Persönlichkeiten bestand darin, trotzdem und „grad extra“ mutig zu bleiben und für andere da zu sein.

Bettina Mittendorfer zeigte in berührendem Schauspiel, begleitet durch Florian Burgmayr mit Akkordeon und Tuba, einige dieser starken Frauenfiguren in unterschiedlichen Lebenssituationen.

Vom komödiantisch nachgespielten Liebesabenteuer im Stall über dramatische Begebenheiten in der bäuerlichen Stube bis zum feierlichen Schwur am Totenbett nahm die sympathische bayerische Schauspielerin das Publikum in Bann und rührte Herz und Seele.

Verständlich, dass sie für ihre Kunst vielfach ausgezeichnet wurde, sie ist glaubhaft und überzeugend und ihre Figuren sind lebendig. Immer wieder zeigte sie, dass die Stärke der „Weibsbilder“ – ob fröhlich oder tragisch – eine wichtige Stütze der Gesellschaft ist und schaffte so einen Bogen bis in die Gegenwart. Denn die Essenz der Geschichten hat nichts an Aktualität verloren. So empfand es auch das begeisterte Publikum im vollbesetzten Saal.